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interessantes Buch zum Thema: Väter nach der Trennung:

"Väter ohne Kinder: Was für Männer nach einer Trennung auf dem Spiel steht"

zu erwerben u.a. bei: Amazon

Viele Männer verlieren nach einer Trennung nicht nur die Partnerin, sondern auch den Kontakt zu ihren Kindern. Andrea Micus, die diese Situation aus der eigenen Familie kennt, schildert die dramatische Lage dieser Väter. Ihre Beispiele zeigen deren persönliches Leid, aber auch die gesellschaftliche Relevanz. Zugleich skizziert sie mögliche Lösungswege – zum Wohle aller Familienmitglieder.

 

Auszug aus der Dissertation von Dr. Herbert Pagels (mit freundlicher Genehmigung):

 

Hilfen bei der Bewältigung einer ungewollten Trennung von Frau und Kindern

Hilfreiche Erlebnisse konnten von einem Teil der verlassenen Väter auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen konkret benannt werden. Ein Vater beschrieb seine Erkenntnisse so: “…man braucht Menschen, also… auf die man sich praktisch verlassen kann und denen man vertrauen kann. Mit denen muß man sich dann viel unterhalten. Weil… Ich habe das ja ganz anders die erste Zeit gemacht… bin bloß oben gewesen und habe mit keinem anderen gesprochen. Ich habe mich total abgeschottet. Das ist total verkehrt. Man darf sich nicht einigeln…” Eine andere Aussage: “…was mir im Moment sehr viel hilft: Ich fahre dann auch einfach los… je nach dem, wie ich Zeit habe. Ich fahre dann zu einem Bekannten hin, um nur mal zu sprechen, damit das rauskommt… Weil sonst, wenn man das nur in sich reinschluckt, geht man dran kaputt… Also man muß mit jemandem sprechen. Das hilft unwahrscheinlich viel. Ich fahre dann auch irgendwo hin, wo ich auch mitunter 10 Jahre nicht mehr war…”

Auch konnten hilfreiche Hinweise von trennungserfahrenen Vätern hinsichtlich der Bewältigung einer akuten Trennungskrise gegeben werden. Beispielsweise empfahl einer von ihnen: “Nicht aufgeben. Und dann, was mir viel hilft, vielleicht auch jetzt wieder nur für mich, morgens aufstehen, und wenn das auch alles Mist ist, sagen: ‘Guten Morgen, lieber Rolf, hast du gut geschlafen?’ Sich richtig so… sich selber motivieren… Oder was ich den ersten Tag gemacht habe, da, als ich an dem See gesessen habe, da habe ich dann auch mal so vor mich hingerufen – war ja zum Glück keiner da: ‘Es gibt noch so viele schöne Frauen auf der Welt!’ Das was… ich meine, das hat vielleicht nur ein bißchen gebracht, aber das war wohl ganz wichtig…”

Andere berichteten über positive Entwicklungen wie z.B. einer neuen Partnerschaft, aber auch Erfahrungen, die zwar mit Verunsicherungen einhergingen, aber zu bewältigen waren: “…innerlich bin ich jetzt schon, dadurch, daß ich jetzt wieder diese Frau kennen gelernt habe und daß ich mit mir auch so’n bißchen wieder im Reinen bin, was ich jetzt hier wohnungsmäßig so mache… Ich weiß noch nicht genau, in welche Richtung das jetzt weitergeht, aber das was wir besprochen haben (im Interview, Anm. d. Verf.), das ist eigentlich Vergangenheit… Das ist so’n Abschnitt, der ist jetzt erledigt. Ich habe jetzt auch zwischenzeitlich gemerkt, daß die Kinder also nicht negativ darauf reagieren, wenn sie ein Wochenende in K. waren. Das tut zwar nicht richtig weh, aber das ist ein bißchen komisch, wenn mein Sohn jetzt also ganz Feuer und Flamme erzählt, daß der Dieter ein neues Computerspiel hat und er da also die ganze Zeit drauf gespielt hat. Ja das ist ein bißchen merkwürdig so ein Gefühl, aber irgendwie geht es…”

Manche Väter empfanden Resignation: “Aber nun habe ich eben nichts mehr. Keine Frau, keine Kinder und kein Haus mehr. Soll sie auch haben, ich wünsche ihr auch Glück, und jetzt ist das einfach vorbei. Leider ist es so: Die Familie ist kaputt. Für mich gibt es keine Familie mehr.”

Für andere wiederum ergaben sich neue Perspektiven. Beispielsweise empfand ein Vater Hoffnung, daß sich die Dinge zum Guten wenden lassen, auch durch eigenes Zutun: “Man darf sich nicht hängen lassen. Man muß sich da durcharbeiten; wie gesagt, Alkohol, das ist das Schlimmste. Auf keinen Fall Alkohol trinken, das ist ganz wichtig. Sich von ‘guten Freunden’ würde ich mal sagen, fernhalten. Weil… da kommt es leicht, da wird automatisch Bier getrunken. Am besten, wenn die Eltern noch da sind, oder Geschwister, den Kontakt suchen. Weiter zur Arbeit gehen, das ist ganz wichtig. Sobald man die Arbeit noch schmeißt, dann ist das eigentlich schon… Das dauert so ein halbes Jahr, dann fällt man wieder auf die Füße. Von meiner Schwester der Schwager, der ist 57 Jahre, der ist jetzt so glücklich! Der kam vor zwei Jahren von See rein; da war die Hütte total leer geräumt… total, und die hatten richtig tolle Möbel, Antiquitäten und so. Da war alles weg. Ein Bungalow, der hing auch so an dem Haus, das war nun komplett bezahlt, und da mußte er seiner Frau 75.000 EUR geben. Seine Töchter, die haben sich auch von dem Vater abgewandt, na ja, der war fertig mit der Welt. Der war also nur bei meiner Schwester. Und dann hat er nach ‘ner Zeit eine Sekretärin kennen gelernt, auch eine Witwe, und die hat ihn so richtig wieder hochgebracht. Jetzt ist er wieder richtig glücklich, mit 57 Jahren ist er richtig glücklich!”

Schlussbemerkung

Verlassene Väter gibt es in großer Zahl. Die Gefahr, daß Verhaltensweisen dieser Männer falsch verstanden, ihre Signale nicht richtig erkannt und ihre besondere Lebenssituationen nicht angemessen beachtet werden, ist recht groß. Dabei liegt es auch im Interesse der Kinder, daß es hier zu Veränderungen kommt – z.B. dadurch, daß entsprechende Hilfsangebote für verlassene Väter geschaffen werden.

Literatur

  • Pagels, Herbert: Verlassene Väter. Die innerseelische Situation und das Bewältigungsverhalten von Männern nach einer ungewollten Trennung von Frau und Kindern. Dissertation. Hamburg: Universität Hamburg 2002