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Lieber Thomas,

danke für deine ebenfalls berührende Nachricht. Sehr gerne kannst du meinen Beitrag veröffentlichen und in eurer Gruppe zur Diskussionsgrundlage machen.

Ich bin sehr sicher, dass deine Tochter auch positive Erinnerungen an dich hat. Mir ging es in der Zeit, in der ich immer wieder den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen habe, auch so, dass es mir selbst das Herz gebrochen hat. Da war immer ein verzweifeltes "sie verstehen mich einfach nicht, egal, wie oft ich es sage und wie ich es sage, und deshalb gibt es keine Chance, dass ich mich irgendwann im Kontakt zu ihnen wohler fühle".  Und dann bin ich mit viel Trauer im Herzen gegangen, um nicht immer wieder ins selbe offene Messer zu laufen. Es verging kaum ein Tag, an dem ich nicht auch deshalb geweint habe. Denn ich habe auch sehr schöne Kindheitserinnerungen. Auf meinem Handy trage ich immer Fotos bei mir aus unseren Frankreich- und Italien-Urlauben, da war ich 2 bzw. 3. Und klar, die Eltern sind die Menschen, die einem einfach am nächsten sind, auch näher als jeder Partner. Ich hoffe, dass dich diese Botschaft ein klein wenig trösten kann.

Langsam werde ich wirklich etwas unabhängiger von meinen Eltern - und gleichzeitig gehe ich wieder auf sie zu. Zu Weihnachten habe ich ihnen eine Reise geschenkt. Leider sind sie nicht mitgekommen, aber es hat etwas mit ihnen gemacht. Sie bemühen sich mehr. Und am Samstag waren sie mit in meinem Segelfliegerclub und haben einen Tag mit mir dort am Flugplatz verbracht. Das hat in mir sehr viel geheilt und ich lächele wieder mehr.

Es ist leider ein sehr langer Weg. Der dauerhafte Kontaktabbruch macht nicht glücklich. Und in einer Facebookgruppe für verlassene Eltern hatte ich das Gefühl, er macht sogar krank. Irgendwie muss man wieder zueinander finden.

Euch Eltern würde ich raten, euren Kindern zuzuhören. Denn es scheint mir in mehreren Fällen so zu sein wie in meinem, dass die Kinder oft Botschaften abschicken, weit im Vorfeld des Kontaktabbruchs, die von den Eltern aber irgendwie nicht gehört oder vom Tisch gefegt und nicht ernst genommen werden. So haben es meine Eltern gemacht. Das war sehr, sehr schmerzhaft... Denn du hast etwas, womit du dich sehr unwohl fühlst, und die Gegenseite will es nicht hören. Das lässt verzweifeln. Eine solche Partnerschaft würdest du vermutlich beenden, früher oder später. Viel schlimmer, wenn es die Eltern sind, denn sie sind unersetzbar. Hört euren Kindern zu, auch wenn es manchmal hart für euch ist und ihr in der Folge gezwungen seid, bei euch selbst etwas zu verändern. Sobald eure Kinder sich verstanden und mit ihrer Not gesehen fühlen, wird alles wieder gut, denn dann kann ein echter, die Familie verbessernder Dialog stattfinden.

Ganz, ganz liebe und herzliche Grüße

Maren