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Liebe Eltern, lieber Thomas,

zunächst vielen Dank für dein schönes Gedicht, lieber Thomas. Ich habe mir vorgestellt, mein eigener Vater hätte es an mich geschrieben. Es hat mich tief berührt, mir ein paar Tränen entlockt, denn auch für mich war es schön, auf den Schultern meines Papis zu sitzen. Dein Gedicht hat etwas in mir geheilt...

Ich freue mich über diese Dialogmöglichkeit hier. Darüber, dass hier ausdrücklich gewünscht ist, dass Kinder sich zu Wort melden. Denn die Kommunikation in der eigenen Familie ist ja meist unmöglich geworden. Wenn jetzt Eltern und Kinder miteinander sprächen, und zwar nicht mit den eigenen Kindern bzw. Eltern, dann könnte Verständnis für Ursachen und Dynamik entstehen und die Lage in der eigenen Familie sich entspannen. Das ist mein Traum. Ich vermute, auch eurer.

Gerade habe ich auf Amazon eine Rezension zum Buch "Wenn Kinder den Kontakt abbrechen" von Angelika Kindt gelesen. Die Rezension, die Schreiberin heißt Svenja, hat mich zu einer spontanen Antwort inspiriert. Und ich glaube, es ist genau die Antwort, die euch weiter hilft:

lieber Svenja,

"Erziehung ist ein täglicher, mal mehr mal weniger Kampf", schreibst du.
Ich bin ein betroffenes Kind und genau das ist der Grund für meinen Abstand zu meinen Eltern, leider. Ich möchte nicht bekämpft werden, sondern unterstützt und geliebt. Seit ich Menschen um mich herum habe, die nicht jedes meiner Worte in Frage stellen, nicht jeden meiner Wünsche hinterfragen, meine Träume und Ziele interessant finden, anstatt sie für unerreichbar zu halten, läuft mein Leben normal. Erst der Abstand zu meinen Eltern macht mich lebensfähig. Denn ich werde nicht mehr bekämpft, täglich, minütlich, sondern unterstützt. Und verdiene endlich Geld. Erlebe, dass ich in Ordnung bin. Dass ich Dinge sage, die anderen helfen und sie zum Lächeln bringen. Sodass sie mir sogar Geld zahlen.

Zuhause habe ich - trotz Reitstunden, Urlauben und Musikunterricht - erlebt, dass alles immer zu schlecht war, was ich machte. Eine 2 Minus war Grund für ein Donnerwetter. Ich versuchte verzweifelt, eine Frisur zu finden, die meiner Mutter gefällt, und sah dadurch "verbogen" und hässlich aus, nicht natürlich oder hübsch. Die Folge war Mobbing von meinen Klassenkameraden.

Was ich dir sagen möchte damit: Geh als Mutter davon aus, dass das, was dein Kind tun will, liebt, sich erträumt, äußert, kurz: alles, was aus deinem Kind heraus kommt, unterstützenswert ist. Streiche das Wort "Kampf" aus deinem Wortschatz. Und handele unterstützend aus einer inneren Haltung heraus "mein Kind ist in Ordnung, liebenswert und hat tolle Ideen". Dann wird dein Kind sicher bald wieder da sein. Genau das ist es, was mich sofort zu meinen Eltern zurück bringen würde. Denn ich vermisse sie zutiefst. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht darüber weine, dass sie so weit weg sind. Sie sind sogar weit weg, wenn sie räumlich nah sind. Denn sie sind emotional für mich nicht erreichbar. Sie bekämpfen mich.

Hast du selbst in deiner Kindheit nur Kampf erfahren und keine Unterstützung?

Meine Mutter definitiv. Leider sieht sie sich diese Verletzungen tief in ihrem Inneren nicht an. Würde sie spüren, wie schrecklich dieser Kampf für sie war und wie groß ihr Wunsch nach Liebe und Unterstützung war und wie traurig sie ist, dass sie sie nie bekam, würden wir uns vermutlich endlich in Liebe und gegenseitiger Unterstützung annähern können.

Lieber Gruß

Maren

PS: Ich glaube inzwischen, dass genau das der Grund für all die vielen Kontaktabbrüche zwischen so vielen Eltern und Kindern ist, auf den Punkt gebracht. Schwer herauszufinden. Wenn von den Kindern liebevoll formuliert, von den Eltern leicht anzunehmen. Der Weg der Eltern, die Botschaft umzusetzen, führt leider durch Tränen, viele Tränen. Sie rühren her aus der Traurigkeit der Eltern, wie sehr sie sich selbst als Kinder von ihren Eltern Unterstützung und Liebe gewünscht, aber nicht bekommen haben. Dein Kind hat diese vielen Tränen schon hinter sich bzw. weint sie zum Teil noch und hat entschieden, keine neuen Tränen mehr hinzu kommen zu lassen. Sich einerseits vor Leuten in Sicherheit zu bringen, die es bekämpfen. Und sich immer mehr mit unterstützenden und liebevollen Menschen zu umgeben, andererseits. Dein Kind ist vorausgegangen und arbeitet damit eure Familiengeschichte auf, die sogar schon vor deiner Geburt entstanden ist. (Bedenke: Deine Eltern sind durch Krieg traumatisiert und deren Eltern ebenfalls (1. und 2. Weltkrieg). Sie konnten es deshalb ebenfalls nicht besser, ihre Traumata wurden nie behandelt.) Folge deinem Kind und du wirst viel Glück in einer schöneren und lebenswerteren Familie finden.

Alles Liebe

Tochter Maren
Name: Maren
E-Mail: Maren@seiechtduselbst.com